HOLE OF FAME

15. Dezember
Audiovisuelles Nachtcafé: Dominic Kiessling & Günther Jahbowski
15. Dezember
Begin: 20:00 Uhr
Die Dezember-Ausgabe des Audiovisuellen Nachtcafés! 

Nach mehreren audiovisuellen Sessions vergangenen Sommer treffen seit September 2022 wieder vielseitige musikalische Acts auf live improvisierte Videokunst. So entsteht bei jeder Session ein neues, multimediales Video- und Musikkunstwerk, das mit Ende der Session wieder verschwindet. 
Dieses Mal mit Visuals von VJ Dysign Byro (Dominic Kiessling) und Sounds von Günther Jahbowski. 

Günther Jahbowski, *1965 – **2022 war ein weltweit angesehener und wenig erfolgreicher deutscher Experimentalkünstler. Mit seinem in der DDR entwickelten musikalischen Frühwerk "Dub in Duben" und dem nach dem Ende der DDR vorallem in den USA bekanntgewordenen Lurchkonzerten hat Günther Jahbowski neben der konkreten Musik auch die konkrete Ampho-Akustik wegweisend geprägt. Im Bereich der Bildenden Kunst ist vorallem sein Opus "Yoko Ohne" kunsthistorisch kanonisiert. Die Bilderreihe, die Yoko Ono in Abwesenheit von Günther Jahbowski zeigt, sollte im September 2001 im MoMA New York gezeigt werden. Das richterliche Vorgehen Onos gegen die Ausstellung führte dazu, dass das MoMA aus Solidarität gegenüber Jahbowski für zwei Monate schloss. Der Künstler selbst entzog sich dem Medienrummel, in dem er sich zurück in Duben wieder dem elektroakustischen Frühwerk widmete und den Opus 2 für Theremin und Bewegtbild als Auftragswerk für die Deutsche Grammophon aufnahm. Bei ersten Hearingsessions - Opus 2 dauert 45 Stunden - trat die Grammophon verängstigt ob der bezeugten Genialität des Künstlers beschämt von ihrem Vermarktungsversuch zurück. Darauf hin gründete Jahbowski gemeinsam mit Dietmar Kork die " Deutsche Theremin" um die Aufnahmen bestehend aus 45 CDs in Form eines einzigen Box Sets zu vertreiben. Nachdem die John Cage Gesellschaft die erforderlichen 1,7 Millionen Dollar nicht aufbringen konnte, erwarb Shawn Fanning die Sammlung und stellte sie 2009 komplett online. 

Ab 2012 wurde es zunehmend ruhiger um Jahbowski. Trotz zunehmender Taubheit versuchte er sich mit der Arbeit "konstruktives Feedback" noch einmal am Bau großformatiger Echokammern, konnte aber der zunehmenden Digitalisierung nichts mehr entgegnen. Auch die langwierigen Rechtsstreitigkeiten mit Lionel Richie bezüglich Günther Jahbowskis kurzfristig herausgeschnittener Theremin Begleitung bei "We are the World" haben ihn zunehmend ins innere Exil getrieben. Im April 2022 verstarb Günther Jahbowski im Kreise seiner engsten Familie in Zieckau - in der Nähe von Duben. Er wurde nur 49 Jahre alt. Sein Werkverzeichnis wird aktuell im Rahmen eines BKM geförderten Forschungsprojektes aufgearbeitet.

Im Hole of Fame wird einer seiner Söhne, der Ampho-Akustiker Serge Öhnermann, eine Auswahl von Jahbowski Werken uraufführen. Die Stücke "Wir sind die Welt", "Rasen" und "Nuancen aus Korn" werden in engem Wechselspiel mit Bewegtbildgrafiken des Künstlers Dominic Kießling gezeigt.

Der Eintritt ist frei, wir freuen uns aber über eine Spende, um die Kosten der Künstler zu decken.

www.dominickiessling.net

Das Projekt wird kofinanziert aus Mitteln der Landeshauptstadt Dresden, Amt für Kultur und Denkmalschutz.